Januar 2026 – Zwischen Neujahrsvorsätzen und Wirtschaftsrealität: Die Konjunktur startet verhalten ins neue Jahr

Januar 2026 – Zwischen Neujahrsvorsätzen und Wirtschaftsrealität: Die Konjunktur startet verhalten ins neue Jahr
Photo by Glen Carrie / Unsplash

Der Januar 2026 war so ein Monat, in dem alles neu anfühlen sollte - aber sich dann doch ziemlich vertraut anfühlte. Die Leute hatten ihre Neujahrsvorsätze gefasst, die Unternehmen präsentierten ihre Jahresziele, und überall war von "Aufbruch" und "Chancen" die Rede. Aber wenn man ehrlich ist: Die Wirtschaft startete nicht mit einem Knall ins Jahr, sondern eher mit einem vorsichtigen Nicken.

Konsum: Zurückhaltung statt Kaufrausch

Nach den Weihnachtsfeiertagen war die Hoffnung groß, dass der Einzelhandel mit Schwung ins Jahr startet. Schließlich war das Weihnachtsgeschäft ganz ordentlich gelaufen, und die ersten Schlussverkäufe lockten durchaus Menschen in die Innenstädte. Aber so richtig euphorisch war die Stimmung nicht.

Die Verbraucher bleiben vorsichtig. Klar, die Inflation ist nicht mehr das Monster von 2022/2023 - aber die Preise sind eben auch nicht zurückgegangen. Man merkt es beim Einkaufen, beim Tanken, beim Blick auf die Nebenkostenabrechnung. Die Leute haben Geld, aber sie halten es zusammen. Es wird weniger spontan gekauft, mehr verglichen, länger überlegt.

Das ist keine Krise - aber eben auch kein Aufschwung. Es ist dieses "weiter so", das sich mittlerweile durch viele Bereiche zieht.

Arbeitsmarkt: Stabil, aber nicht dynamisch

Der Arbeitsmarkt zeigt sich Anfang 2026 robust. Die Arbeitslosigkeit bleibt auf einem moderaten Niveau, große Entlassungswellen sind ausgeblieben. Aber: Von einem Boom kann man auch hier nicht sprechen. Viele Unternehmen stellen ein - aber zurückhaltend. Man besetzt die nötigsten Stellen, schaut erst mal, wie sich das Jahr entwickelt.

Besonders in der Industrie spürt man die Zurückhaltung. Die Auftragslage ist okay, aber nicht überragend. Und bei vielen mittelständischen Betrieben fragt man sich: Lohnt es sich, jetzt zu investieren? Oder warten wir lieber noch ab?

Diese Unsicherheit zieht sich durch. Es ist nicht die große Angst, aber eben auch nicht die große Zuversicht.

EZB und Zinsen: Alles bleibt erstmal, wie es ist

Die Europäische Zentralbank hat im Januar 2026 keine großen Überraschungen geliefert. Die Zinsen bleiben stabil - und das ist auch gut so. Für Sparer bedeutet das: Die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld bleiben attraktiv. Wer sich vor zwei Jahren über mickrige Renditen geärgert hat, kann sich jetzt über solide 2-3 % freuen.

Für Kreditnehmer hingegen bleibt es teuer. Immobilienkredite sind nach wie vor deutlich teurer als noch vor ein paar Jahren. Das bremst den Immobilienmarkt weiter aus - nicht dramatisch, aber spürbar. Viele, die sich vor drei Jahren noch ein Eigenheim leisten konnten, müssen jetzt umdenken.

Die EZB signalisiert: Wir bleiben vorsichtig. Solange die Inflation nicht wieder anzieht, wird es keine großen Zinsschritte geben - weder nach oben noch nach unten. Das gibt Planungssicherheit, aber eben auch keine spektakulären Impulse.

Energie: Entspannung mit Restrisiko

Die Energiepreise haben sich im Januar 2026 beruhigt. Gas und Strom sind zwar nicht mehr billig, aber auch nicht mehr das Schreckensszenario von vor zwei Jahren. Die Versorgung ist gesichert, die Speicher gut gefüllt, und die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten wurde reduziert.

Aber: Das Thema ist nicht vom Tisch. Die Transformation hin zu erneuerbaren Energien kostet Geld, und die Stromnetze müssen massiv ausgebaut werden. Das spüren Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen. Es wird investiert, aber langsam. Zu langsam, sagen viele Experten.

Fazit: Ein geduldiger Start

Der Januar 2026 war kein schlechter Monat - aber eben auch kein mitreißender. Es ist dieser Zustand des "Durchwurstelns", den wir mittlerweile gut kennen. Die Wirtschaft läuft, aber sie sprintet nicht. Die Menschen konsumieren, aber mit Augenmaß. Die Unternehmen investieren, aber mit angezogener Handbremse.

Es fehlt dieser eine Impuls, der alles ins Rollen bringt. Vielleicht kommt er noch. Vielleicht braucht es einfach Zeit. Vielleicht ist das auch die neue Normalität: Kein Drama, keine Euphorie - einfach solide Wirtschaft mit gedämpften Erwartungen.

Wer jetzt auf den großen Knall wartet, wird wohl enttäuscht werden. Aber wer realistisch bleibt und sich nicht verrückt machen lässt, kann durchaus zufrieden sein. Es geht voran - nur eben langsam.

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